Yogawege

Das Ziel des Yoga ist Erkenntnis der unbegrenzten Wirklichkeit. Um es mit Goethe zu sagen: “… dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält. ”

Yoga ist eine Seinswissenschaft, eine Erkenntnislehre, welche grosse Bedeutung auf Bewusstseinschulung legt, die in den verschiedensten Yogawegen ihren Ausdruck findet.

Yoga ist der Begriff einer langen Übungs- und Heilslehre. Es gibt viele Yoga-Arten; die Hauptrichtungen des Yoga sind nachstehend kurz aufgezeigt:

Hatha-Yoga (Körperübungen)
Hatha-Yoga wurde von den alten Meistern entwickelt, um den Organismus durchlässig zu machen und Blockaden im Fluss der Lebensenergie (Prana) aufzulösen. Auf der körperlichen Ebene löst jede Yogahaltung (Asana) Spannungsmuster auf. Muster, die vielfältige nichtkörperliche Ursachen haben können. Außerdem hat jedes Asana eine physische und psychische Bedeutung.
Hatha-Yoga, auch körperlicher Yoga genannt, wird oft als ein “niedriger” Yoga verkannt. Meine über 40-jährige Erfahrung zeigt mir, dass gerade dieser Yoga, richtig verstanden und täglich geübt, zu unserer seelisch-geistigen Entwicklung enorm viel beitragen kann.

Hatha ist ein zusammengesetztes Wort. Die erste Silbe HA bedeutet positiv, THA bedeutet negativ und Yoga wird übersetzt mit Joch, Anjochen, Verbinden, Vereinigen. Yoga will vor allem die positiven und negativen Energien ausgleichen, das heißt er will die Harmonie der positiven und negativen Kraftfelder, die sich bis in die kleinsten Körperzellen fortsetzen, erreichen und erhalten.

Die Praxis verlangt, dass wir handeln und gleichzeitig unserem Handeln gegenüber achtsam sind, also unsere Aufmerksamkeit auf das Geschehen richten. Yoga ist ein ganzheitliches System, es verlangt den ganzen Menschen und wirkt auf den ganzen Menschen.

Die Lehre der Psychosomatik, dass Körper und Seele in Abhängigkeit voneinander stehen, ist ein uraltes Gedankengut der Yogis, die schon vor Jahrtausenden wussten, dass jede körperliche Krankheit seelische Ursachen hat. Sie waren der Überzeugung, dass kein Mensch körperlich gesund und seelisch krank oder seelisch gesund und körperlich krank sein kann, sondern Körper und Seele sind gesund oder krank.

So spielen drei Faktoren im Hatha-Yoga eine ganz besondere Rolle: die körperliche Übung (das Asana), die innere Haltung (die Gedankenkontrolle) und die Atmung (das Pranayama).

Wer das Wesen der Lehre richtig erfasst hat und in diesem Sinne täglich übt, spricht den ganzen Menschen im körperlichen, seelischen (Psyche) und geistigen Bereich an, und wer sich auf allen drei Ebenen bemüht, kann und wird einen durchschlagenden Erfolg erzielen.

Der Körper ist der Tempel der Seele. Halte ihn gesund – ohne ihn kannst du nicht leben!

Einige andere Yoga-Wege sind nachstehend kurz erläutert:

Jnana-Yoga (wörtlich: Wissen, Erkenntnis)
Jnana-Yoga ist der philosophische Yogaweg. Ein Weg der Suche des Verstandesmenschen, um zur spirituellen Erkenntnis zu gelangen. Jnana-Yoga führt über mentale Arbeit (Aufheben der Blockaden) zur spirituellen Entwicklung hin zur Erleuchtung. Das Erkennen geht hier weit über das intellektuelle Verstehen hinaus. Es ist ein inneres Durchdringen des nebelhaften Wissens dieser Welt, das Suchen nach höherem Wissen, nach Einsicht der unmittelbaren Wirklichkeit, nach dem Selbst.

Bhakti-Yoga (Yoga der hingebungsvollen Liebe)
Bhakti hat mit dienen, mit Hingabe und Liebe zu tun. Hier wird das Göttliche in allem verehrt. Die liebende Herzenswärme, die sich an eine höhere Kraft richtet. Es ist der Weg des Herzens, der Erhebung der Seele, der universellen Liebe.

Raja-Yoga (wörtlich: der königliche Yoga)
Im Raja-Yoga wird mit speziellen Techniken versucht, die Beherrschung der inneren Kräfte zu erreichen. Im Raja-Yoga wird die angeborene Tätigkeit des Geistes mit dem achtgliedrigen Weg unter Kontrolle gebracht und das Gemüt in höhere Schwingung versetzt. Das heißt die Aufmerksamkeit wird in der Meditation von den Sinnesorganen abgezogen und das innere Gewahrwerden auf das wahre Selbst gerichtet.

Karma-Yoga (der Weg des selbstlosen Tuns)
Karma-Yoga lehrt, durch Verzichten auf die Früchte seines Tuns Befreiung aus den irdischen Verstrickungen zu erlangen.