Meditation

Meditation-Dhyana

Alles was wir kennen, hat seinen Ursprung in einem unendlichen Energiemeer, das so aussieht wie das Nichts. (John Wheeler – Physiker)

Wir leben in zwei Welten – einer inneren und einer äußeren. Bei der Meditation befassen wir uns mit der inneren. Wir treten von einem Raum in den anderen Raum, von einer Zeit, in die andere Zeit.

Meditation ist der Weg nach innen, der uns die Beziehung zwischen Körper, Seele und Geist erkennen und, auf das höchste Ziel gerichtet, die spirituelle Wirklichkeit erfahren lässt.

Von den verschiedenen Meditationswegen, die es gibt, kann ich den Raja-Yoga-Weg nur kurz andeuten. Der Raja-Yoga-Weg, der uns von dem großen Weisen Patanjali in seinen berühmten Yoga-Sutras überliefert wurde, beschreibt einen Erleuchtungsweg in acht Gliedern, die unmittelbar voneinander abhängen und sich nur miteinander, in gegenseitiger Abhängigkeit, entwickeln können. Das ist auch der Grund, weshalb dieser Acht-Stufen-Pfad, das sind YAMA – NIYAMA – ASANA – PRANAYAMA – PRATYAHARA – DHARANA – DHYANA – SAMADHI, meist durch ein Rad mit acht ineinandergreifenden Speichen als Zeichen der Gleichwertigkeit symbolisiert wird.

So ist es erst durch Üben der Körperhaltungen (Asanas) möglich, die Atemübungen (Pranayama) richtig zu machen. Durch die Kontrolle der Atmung wird das Denken beruhigt, dadurch wird eine bessere Konzentration erreicht, die wiederum zu einer besseren Meditation führt und somit vorteilhafte seelische Veränderungen zum Mitmenschen und gegenüber uns selbst bringt. Im alten Indien konnte jemand diesen Weg nur dann beschreiten, wenn er eine gewisse Lebenserfahrung und Lebenstüchtigkeit erreicht hatte, also in den ersten beiden Stufen schon sattelfest war.

Die erste Stufe YAMA ist die rechte Lebensführung, das heißt das richtige Verhalten zur Umwelt und den Mitmenschen; dazu gehören Achtung vor dem Leben, Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, Enthaltsamkeit und das Lösen von der Raffgier.

Die zweite Stufe NIYAMA ist die individuelle Zucht, das sind innere und äußere Reinheit, Zufriedenheit, Strenge, Studium geistiger Schriften und Hingabe an Gott.

Die dritte Stufe ASANA sind Körperübungen, die dem Strebenden die Möglichkeit geben, sich körperlich gesund zu erhalten, um sich geistig entfalten zu können. Für die Meditation ist eine aufrechte Sitzhaltung wichtig, bei der Rücken, Nacken und Kopf eine gerade Linie bilden müssen, um eine gute Zirkulation der feinstofflichen Energien im Rückgrat zu erreichen.

Der klassische Meditationssitz ist der Lotos-Sitz; da er aber für die meisten westlichen Menschen zu schwierig ist, bieten der Schneider- oder Fersensitz gute Ersatzmöglichkeiten. Sollten Ihnen diese Sitzstellungen nicht möglich sein, so setzen Sie sich gerade, ohne anzulehnen, auf einen Stuhl; es ist aber darauf zu achten, dass die Sitzstellung bequem ist und für die Dauer der Meditation bewegungslos eingehalten werden kann, da der feste ruhige Sitz eine Beruhigung der Mentalebene verschafft.

Die nächste Stufe PRANAYAMA ist die Regulierung der Atemenergie. Die Atemkontrolle ist sehr wichtig, da ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Gedankentätigkeit und der Atmung besteht. Ruhiges Atmen bringt Beruhigung in das Denken. Durch inneres Lauschen auf den Atemfluss wird die unaufhörliche Gedankentätigkeit zur Ruhe gebracht.

Die folgende Stufe PRATYAHARA ist das Zurückziehen der Sinne aus der Außenwelt. Hierzu sagt die Bhagavadgita: “Wer gleich einer Schildkröte, die ihre Gliedmaßen in ihren Panzer zurückziehen kann, im Stande ist seine Sinne von den Sinnesobjekten zurückzuziehen, gründet im wirklichen Wissen.”

Die Denksubstanz von der Außenwelt zurückgezogen und gesammelt, ist die nächste Stufe DHARANA (Konzentration). Konzentration ist die Sammlung der mentalen Energien auf ein einziges Objekt hin. Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Konzentration, die bewusste Konzentration, welche das bewusste Sammeln der Denkenergien auf ein bestimmtes Ziel hin ist, und die unterbewusste Konzentration, welche durch das Interesse auf ein bestimmtes Objekt zu Stande kommt. Jeder kennt den Unterschied, ein Buch mit Interesse zu lesen, oder eines lesen zu müssen, das nicht interessiert.

Wer in der Lage ist, das Interesse am Meditationsobjekt zu wecken, dem wird die Konzentration und Meditation fast mühelos gelingen. Konzentration ist das Sammeln der Mentalenergien zum Meditationsobjekt hin; Meditation ist das bewusste, beständige Verweilen dabei.

Obwohl oft von Gliedern die Rede ist, ist der Übergang zwischen Konzentration, Meditation und SAMADHI nahtlos. Hierzu sagen die Sutras: “Mit Konzentration ist gemeint die Festlegung der Seele auf den Betrachtungsbereich.” – “Wenn die Betrachtung über einen bestimmten Bewusstseinsgegenstand so vor sich geht, dass sie sich wie ein Faden fortspinnt, so ist das Meditation (Versenkung)”. – “Wenn diese innere Bewegung ganz in der Wirklichkeit (oder der in der Form verkörperten Idee) aufgeht und sich eines Abgesondertseins oder des persönlichen Selbstes nicht mehr bewusst ist, dann ist das SAMADHI”.

Die siebte Stufe DHYANA (Meditation) ist also die verlängerte Konzentration, die Versenkung in das Meditationsobjekt, durch die in der höchsten Stufe eine Verschmelzung zwischen Subjekt und Objekt stattfindet, genannt SAMADHI – die achte Stufe.

Für die Meditation wesentlich sind die aufeinanderfolgenden Stufen der Sammlung, Stille und Einsicht. Auf dem Weg nach Innen müssen wir für die Dauer der Meditation auf das Denken verzichten, das Alltagsleben zur Ruhe bringen, um ins eigene Wesen zu schauen. Die Kunst dabei ist, den Strom der Aufmerksamkeit auf das Meditationsobjekt lange zu erhalten.

Persönlichkeit und Universum sind zwei Seiten, zwei Räume der selben Wirklichkeit, die sich gegenseitig ergänzen – vervollständigen durch Einsicht und eins werden im Erlebnis der Erleuchtung.